Können Nahrungsergänzungsmittel helfen, den Blutdruck zu senken? Wir schauen uns die fünf vielversprechendsten an und erklären, worauf es bei der Auswahl ankommt.

1. Rote Bete
2. Nattokinase
3. L-Citrullin
4. Kalium
5. Magnesium1. Rote Bete: Auf die Nitratmenge kommt es an
Rote Bete wird seit Jahren auf ihre blutdrucksenkende Wirkung untersucht. Entscheidend ist dabei das enthaltene Nitrat, nicht allein die Menge an Rote-Bete-Pulver.
Der Körper wandelt Nitrat über die Zwischenstufe Nitrit in Stickstoffmonoxid um, auf Englisch Nitric Oxide (NO). Dieser Botenstoff hilft den Blutgefäßen, sich zu entspannen und zu erweitern. Das Blut kann leichter hindurchfließen, wodurch der Blutdruck sinken kann.
In einer Studie mit 68 Menschen mit Bluthochdruck war der Blutdruck nach vier Wochen mit nitratreichem Rote-Bete-Saft niedriger als mit einem Vergleichssaft ohne Nitrat. Rote-Bete-Nitrat bei Bluthochdruck: randomisierte Studie.
Wir empfehlen deshalb Präparate mit standardisiertem und klar angegebenem Nitratgehalt. Achte auf dem Etikett darauf, wie viel Nitrat pro Portion enthalten ist. Erst diese Angabe erlaubt einen Vergleich mit den Mengen aus der Forschung.
2. Nattokinase: Was wir von dem Enzym aus Sojabohnen wissen
Nattokinase stammt aus Natto, einem japanischen Lebensmittel aus fermentierten Sojabohnen. Als Nahrungsergänzung wird das Enzym auch im Zusammenhang mit der Blutdruckkontrolle untersucht.
Dafür gibt es bereits klinische Daten: In einer achtwöchigen Studie sank der Blutdruck bei Menschen mit leicht erhöhten Werten stärker als unter Placebo. Auch eine systematische Auswertung randomisierter Studien fand im Durchschnitt eine Senkung. Einheitlich sind die Ergebnisse allerdings nicht: Eine längere Untersuchung bei gesunden Erwachsenen zeigte keinen Blutdruckeffekt.
Bei der Einnahme von Blutverdünnern ist wegen eines möglichen erhöhten Blutungsrisikos eine vorherige ärztliche Rücksprache wichtig. Nattokinase und Blutdruck: achtwöchige kontrollierte Studie · Nattokinase und kardiovaskuläre Risikofaktoren: systematische Studienauswertung · Nattokinase zur kardiovaskulären Prävention: randomisierte Langzeitstudie · Nattokinase: Sicherheit und Wechselwirkungen mit Medikamenten (MSKCC).
3. L-Citrullin: Ein zweiter Weg zur Bildung von NO
Bei L-Citrullin begegnet uns der Botenstoff Stickstoffmonoxid, auf Englisch Nitric Oxide (NO), wieder. Der Weg dorthin ist ein anderer: Der Körper wandelt die Aminosäure zunächst in L-Arginin um, das anschließend zur NO-Bildung genutzt werden kann. Eine kleine Studie bei Frauen nach den Wechseljahren mit Bluthochdruck fand nach vier Wochen Verbesserungen der Gefäßfunktion und bestimmter Blutdruckwerte nahe am Herzen. L-Citrullin: Gefäßfunktion und Blutdruck bei Frauen nach den Wechseljahren.
L-Citrullin ist deshalb eine interessante Ergänzung zu Nitrat aus Roter Bete: Beide liefern über unterschiedliche Wege Ausgangsstoffe für die Bildung von NO, das an der Entspannung der Blutgefäße beteiligt ist. Auch gemeinsam wurden sie bereits untersucht. Eine kleine Studie bei älteren Erwachsenen fand mit der Kombination einen niedrigeren mittleren Blutdruck gegenüber Placebo. Das macht Kombinationspräparate mit beiden Inhaltsstoffen besonders interessant. Nitrat und Citrullin: Gefäßfunktion und körperliche Leistung bei älteren Erwachsenen.
4. Kalium: Warum sich zuerst ein Blick auf die Ernährung lohnt
Kalium steckt zum Beispiel in Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Gemüse und trägt zur Regulation des Blutdrucks bei. Wer über eine Ergänzung nachdenkt, kann deshalb zunächst schauen, welche kaliumreichen Lebensmittel bereits regelmäßig auf dem Teller landen. Eine entsprechende Ernährung kann den Blutdruck günstig beeinflussen; Kapseln sind dafür nicht automatisch der passende Ersatz.
Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bestimmten Medikamenten kann der Körper überschüssiges Kalium nicht ausreichend ausscheiden. Ob ein Präparat sinnvoll ist, solltest du deshalb vorher ärztlich besprechen - gerade dann, wenn du schon Blutdruckmittel einnimmst. WHO-Leitlinie zur Kaliumzufuhr bei Erwachsenen und Kindern · Kalium: Versorgung, Sicherheit und Wechselwirkungen (NIH).
5. Magnesium: Was die Versorgung mit dem Blutdruck zu tun hat
Magnesium kennen viele vor allem im Zusammenhang mit Muskeln und Nerven. Der Mineralstoff ist aber auch an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Studien zu Magnesiumpräparaten zeigen im Durchschnitt kleine Blutdrucksenkungen, wobei die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen.
Beim Vergleichen lohnt sich deshalb nicht nur der Blick auf die Menge, sondern auch auf die Magnesiumform: Verbindungen wie Citrat werden in der Regel besser aufgenommen als beispielsweise Magnesiumoxid. Magnesiumbisglycinat und Magnesium-L-Threonat gehören ebenfalls zu den Formen, die wir bei der Produktauswahl näher betrachten.
Auf dem Etikett sind daher zwei Angaben hilfreich: Welche Magnesiumverbindung ist enthalten, und wie viel elementares Magnesium liefert eine Portion? Letzteres bezeichnet die tatsächlich enthaltene Magnesiummenge, nicht das Gewicht der gesamten Verbindung. Auch die Verträglichkeit spielt eine Rolle, denn höhere Mengen können beispielsweise Durchfall verursachen. Magnesium: Verbindungen, Studienlage und Verträglichkeit (NIH).
Ein Blick aufs Etikett hilft beim Vergleichen
Wenn du dich für eines der Präparate interessierst, schau genauer hin: Welcher Inhaltsstoff ist in welcher Form enthalten, und welche Menge liefert eine Portion tatsächlich? Bei Magnesium ist die elementare Magnesiummenge entscheidend, bei Rote-Bete-Präparaten die ausdrücklich angegebene Nitratmenge. So kannst du Produkte gezielter vergleichen und ihre Angaben besser mit den untersuchten Zubereitungen einordnen.
Bei Fragen oder wenn du Medikamente einnimmst, besprich die Auswahl mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine verordnete Behandlung.
